Was ist der Entropiewert und was will er uns sagen?
Entropie – was heißt das eigentlich?
Entropie beschreibt, wie schwer ein Passwort oder eine Passphrase zu erraten ist. Je höher der Entropiewert, desto mehr Möglichkeiten gibt es – und desto sicherer bist du.
Stell dir vor:
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Ein Passwort mit 40 Bit Entropie kann ein moderner Computer in wenigen Sekunden bis Minuten knacken.
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Ein Passwort mit 200 Bit Entropie würde selbst den schnellsten Supercomputer länger beschäftigen, als das Alter des Universums – also praktisch unmöglich zu knacken!
Kurz gesagt:
Je mehr Entropie, desto stärker ist dein Passwort – und desto entspannter kannst du online unterwegs sein.
Die Entropie eines Passworts wird mit folgender Formel berechnet:
Wir verwenden log₂ (den binären Logarithmus) bei der Entropie-Berechnung, weil wir damit ausdrücken, wie viele „Ja/Nein“-Fragen (Bits) nötig wären, um ein Passwort eindeutig zu erraten. In der Informationstheorie steht ein „Bit“ für eine Entscheidung zwischen zwei Möglichkeiten (z.B. 0 oder 1).
E=L×log2(R)
- E = Entropie in Bit
- L = Länge des Passworts (Anzahl der Zeichen)
- R = Anzahl der möglichen Zeichen
Beispiel
Regenbogen-Kaugummi-Einhorn-37!
1. Zeichenvorrat bestimmen
Üblicherweise sind in Passwörtern folgende Zeichengruppen erlaubt:
- Großbuchstaben: 26 (A–Z)
- Kleinbuchstaben: 26 (a–z)
- Zahlen: 10 (0–9)
- Sonderzeichen: 33 (z. B. ! # $ % & ( ) * + , - . / : ; = ? @ [ ] ^ _ { | } ~)
Gesamter Zeichenvorrat:
26+26+10+33 = 95 Zeichen
Länge der Passphrase
Die Passphrase Regenbogen-Kaugummi-Einhorn-37! hat 31 Zeichen (inklusive Bindestrichen und Ausrufezeichen).
2. Entropie berechnen
Beispiel für eine Passphrase aus 4 Wörtern
Du nimmst 4 Wörter, die zufällig aus 200.000 möglichen Wörtern ausgewählt sind:
Entropie=4×log2(200.000)
log2(200.000)≈17
4×17=68 Bits
Entropie für: Regenbogen-Kaugummi-Einhorn-37!
E=31×(log2)95 -> (log2)95≈0,57
E=31×6,57≈203,67 Bits
Hinweis:
Die tatsächliche Sicherheit hängt auch davon ab, wie zufällig die Wörter gewählt sind und ob sie in Wörterbuchangriffen vorkommen. Die 2. Entropie-Berechnung oben gilt für Zeichen-für-Zeichen-Zufallspasswörter. Die 1. Entropie-Berechnung gilt für rein aus Wörterbüchern zusammengesetzte Phrasen.
Was bedeutet das?
68 Bits bzw. 203,67 Bits Entropie sind sehr sicher! Zum Vergleich: Viele klassische Passwörter haben nur 30–40 Bits.
Ein Angreifer müsste im schlimmsten Fall alle möglichen Kombinationen ausprobieren – das sind so viele, dass es praktisch unmöglich ist, die Passphrase zu erraten.
Was bedeutet 203,67 Bits?
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Anzahl der möglichen Kombinationen:
Eine 1 mit 61 Nullen – unvorstellbar viele Möglichkeiten
Die Sicherheit einer Passphrase hängt maßgeblich davon ab, wie die Wörter ausgewählt wurden und ob sie für Angreifer vorhersehbar sind.
Hier die wichtigsten Aspekte dazu:
Wörter erhöhen die Merkbarkeit – aber nicht immer die Sicherheit
- Werden die Wörter zufällig und unabhängig aus einer großen Wortliste gewählt, ist die Passphrase ziemlich sicher.
- Werden die Wörter jedoch nach einem Muster, aus bekannten Phrasen oder aus dem persönlichen Umfeld gewählt, kann ein Angreifer mit Wörterbuchangriffen die Passphrase gezielt erraten.
Einfluss von Zahlen und Sonderzeichen
- Durch das Hinzufügen von Zahlen und Sonderzeichen (wie „-37!“) steigt die Entropie leicht, aber der größte Sicherheitsgewinn entsteht durch die Anzahl und Zufälligkeit der Wörter.
- Zwei zufällige Zeichen zwischen den Wörtern können die Entropie einer 4-Wort-Passphrase auf das Niveau einer 5-Wort-Passphrase heben.
Praktische Sicherheit: Wörter versus Zeichen
- Zufälligkeit ist entscheidend: Wähle Wörter zufällig und nicht nach persönlichen Vorlieben oder bekannten Mustern.
- Mehr Wörter = mehr Sicherheit: Füge lieber ein weiteres zufälliges Wort hinzu, als nur Zeichen zu ersetzen.
- Kombiniere Wörter, Zahlen und Sonderzeichen: Das erhöht die Komplexität, aber die Hauptsicherheit kommt durch die Wortanzahl und deren Zufälligkeit.
Wie dieses Beispiel für Entropieberechnung zeigt:
Je länger und vielfältiger eine Passphrase gestaltet ist – desto höher ist ihre Sicherheit.